Können wir den Alterungsprozess verlangsamen – und den Körper dabei sogar stärken? Wenn der Testosteronspiegel im Laufe der Jahre sinkt, wirkt sich das bei Männern auf Energie, Muskelmasse und Sexualtrieb aus. Doch die Forschung zeigt, dass Lebensstil, Ernährung und bestimmte natürliche Substanzen einen großen Unterschied machen können. Der Urologieprofessor Ralph Peeker erklärt, wie wir mit den richtigen Werkzeugen unser hormonelles Gleichgewicht beeinflussen und das Risiko häufiger altersbedingter Beschwerden wie Prostataprobleme verringern können.
Ralph Peeker, Oberarzt und Professor für Urologie an der Universität Göteborg, forscht darüber, wie die Signalwege der Zellen Harnwegsbeschwerden und Prostatavergrößerung beeinflussen. Außerdem hat er Prostatakrebs und gutartige Prostatavergrößerung untersucht – beides häufige Erkrankungen bei älteren Männern.
– Diese Zustände hängen mit dem Alterungsprozess zusammen. Fast alle Männer entwickeln eine gewisse Form der Prostatavergrößerung, sagt Peeker. Wichtig ist jedoch, zwischen Krankheit und Zustand zu unterscheiden.
Prostatavergrößerung – häufig, aber oft harmlos
Eine Prostatavergrößerung ist an sich nichts Ungewöhnliches und verursacht meist keine Beschwerden. Treten jedoch Symptome wie Schwierigkeiten beim Wasserlassen auf, kann daraus ein Krankheitszustand werden.
– Ähnlich verhält es sich mit Prostatakrebs. Bei vielen älteren Männern findet man Krebszellen in der Prostata, ohne dass Symptome auftreten. Dann spricht man eher von einem Zustand als von einer Krankheit, erklärt Peeker.
Vererbung spielt eine Rolle
Das Risiko für Prostataprobleme steigt, wenn nahe Verwandte an Prostatakrebs oder Prostatavergrößerung erkrankt sind.
– Hat man einen Vater oder Bruder mit Prostatakrebs, ist das eigene Risiko höher. Das gilt auch für die gutartige Prostatavergrößerung, sagt Peeker.
Der Lebensstil beeinflusst die Prostata
Studien zeigen, dass Ernährung und Lebensstil das Risiko für Prostataerkrankungen beeinflussen. Es wurden Zusammenhänge zwischen Prostatakrebs und Faktoren wie rotem Fleisch, fettreicher Ernährung und Übergewicht festgestellt.
– Wir wissen auch, dass Stoffe wie Zink, Bor und Selen Prostatabeschwerden lindern können, sagt Peeker. Noch wissen wir nicht genau, wie sich das beim einzelnen Menschen auswirkt, aber in zehn Jahren könnte die Forschung so weit sein.
Pflanzliche Stoffe mit Wirkung
Auch Pflanzen wie Bockshornklee können einen positiven Einfluss haben. Sie können verhindern, dass Testosteron in Dihydrotestosteron umgewandelt wird – jenes Hormon, das das Wachstum der Prostata fördert.
– Bockshornklee wirkt ähnlich wie bestimmte Medikamente, die wir einsetzen, ist jedoch nicht so wirksam wie eine chirurgische Behandlung, erklärt Peeker.
Aminosäuren – entscheidend für den Muskelaufbau
Um die Muskelmasse zu erhalten, sind Aminosäuren unerlässlich – auch im höheren Alter.
– Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine und absolut notwendig für den Muskelaufbau. Wenn wir eiweißreiche Nahrung zu uns nehmen, wird sie in Aminosäuren zerlegt, die der Körper dann verwendet, sagt Peeker.
"Männliche Wechseljahre" – ein Mythos?
Der Begriff "männliche Wechseljahre" wird manchmal verwendet, doch Peeker hält ihn für irreführend.
– Bei Frauen erfolgen die hormonellen Veränderungen plötzlich und gleichzeitig bei allen. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel schrittweise, unterschiedlich stark und in unterschiedlichem Alter. Deshalb sprechen wir lieber von einer altersbedingten Testosteronabnahme, erklärt er.
Wann wird es problematisch?
Dass der Testosteronspiegel mit dem Alter sinkt, ist natürlich und an sich keine Krankheit. Wenn jedoch deutliche Symptome auftreten, kann es sich um ein sogenanntes Testosteronmangelsyndrom handeln.
– Dann kann eine Untersuchung mit Bluttests durchgeführt werden. Liegen niedrige Werte und klare Beschwerden vor, kann eine Testosterontherapie eine Option sein, sagt Ralph Peeker.
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Ralph Peeker ist ein herausragender Urologe und Professor für Urologie an der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg. Er ist international anerkannt für seine Forschung und klinische Expertise im Bereich urologischer Erkrankungen, insbesondere in den Bereichen Blasenkrebs, benigne Prostatahyperplasie und Neuro-Urologie.Mit einer langjährigen Karriere sowohl in der akademischen Forschung als auch in der klinischen Praxis hat er eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der modernen urologischen Versorgung in Schweden gespielt. Professor Peeker ist zudem ein häufig gefragter Referent und hat eine große Anzahl wissenschaftlicher Artikel in seinem Fachgebiet veröffentlicht. |


