Das Sexualleben muss nicht in den Ruhestand gehen, nur weil Sie es tun.
Laut Chefarzt Stefan Arver vom Karolinska-Institut ist es durchaus möglich, Lust und sexuelle Funktion bis ins hohe Alter zu bewahren – vorausgesetzt, man kümmert sich um seinen Körper. Blutgefäße, Hormone und Nerven spielen dabei eine größere Rolle, als viele denken. Und auch wenn Nahrungsergänzungsmittel wie Zink und L-Arginin keine Wundermittel sind, können sie dem Körper bei Bedarf einen kleinen Impuls geben.
Stefan Arver, Chefarzt am Karolinska-Institut, ist ein weltweit führender Experte für Männergesundheit und forscht im Bereich der Endokrinologie (Hormonlehre) sowie zu sexuellen Funktionsstörungen bei alternden Männern.
Die Blutgefäße – der Schlüssel zur Erektion
– Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wodurch die Fähigkeit abnimmt, die Schwellkörper des Penis mit Blut zu füllen – die Erektion wird schwächer. Dafür sind funktionierende Blutgefäße erforderlich, und drei Faktoren steuern diese Funktion: Blutfette, Blutzucker und Blutdruck. Aus Sicht der Risikobewertung und -vermeidung ist es entscheidend, diese drei Werte gut zu kontrollieren, erklärt Arver.
Mehr als nur ein "männliches" Hormon
Der Testosteronspiegel nimmt im Durchschnitt mit zunehmendem Alter ab – allerdings mit großen individuellen Unterschieden, und nur selten führt dies zu Symptomen.
– Hormone, insbesondere Testosteron, sind eine weitere wichtige Hintergrundfunktion. Testosteron spielt eine zentrale Rolle für Motivation, Lust und Sexualtrieb, sagt Dr. Stefan Arver. Es beeinflusst außerdem die Funktion der Blutgefäße – ein Testosteronmangel kann diese negativ beeinträchtigen.
Wenn das Gehirn den Penis nicht mehr erreicht
Auch die Verbindung zwischen Nervenzellen und Penis ist für die Libido von großer Bedeutung.
– Die empfundene Sexualität sitzt im Gehirn, das über Nervenbahnen mit dem restlichen Körper kommuniziert. Bei Nervenschäden, etwa infolge von Operationen oder Strahlentherapie, kann das Nervensignal zwischen Gehirn und Penis verloren gehen.
Nahrungsergänzung – Hype oder Hilfe?
Zink und die Aminosäure L-Arginin werden im Handel häufig zur Steigerung des Testosteronspiegels und zur Verbesserung der Durchblutung angeboten.
– Zink und L-Arginin werden – wie viele andere Nährstoffe – vom Körper benötigt, sind jedoch selten die Ursache für sexuelle Probleme. Nahrungsergänzungen sind nur bei einem tatsächlichen Mangel sinnvoll, was eher selten vorkommt. Das bedeutet, dass Zink- und L-Arginin-Präparate meist keine spürbare Wirkung haben. Sie erhöhen den Testosteronspiegel nicht, und es ist fraglich, ob minimale Erhöhungen überhaupt einen Effekt haben.
– Wenn jedoch über die Ernährung nicht genügend Zink aufgenommen wird, kann eine Ergänzung notwendig sein. Zink ist für viele Funktionen im Körper unerlässlich.
Ebenso benötigen wir Aminosäuren wie L-Arginin, damit der „Treibstoff“ des Körpers richtig zusammengesetzt ist, so Dr. Arver.
Die Kehrseite von Drogen für das Sexualleben
Alkohol und andere Drogen können kurzfristig die Stimmung heben – langfristig wirken sie jedoch oft gegenteilig. Substanzen wie Nikotin, Alkohol, Opiate, Morphin und Kokain beeinträchtigen die sexuelle Leistungsfähigkeit.
– Rauchen schädigt die Blutgefäße, und Alkohol wirkt sich bei höherem und langfristigem Konsum negativ aus. Alkohol wird zu einer Form der Lust und nutzt dieselben Systeme wie die Sexualität – dadurch greift man auf die eigenen Lustreserven zurück. Schwere Drogen haben den Ruf, das sexuelle Erleben zu steigern, doch Studien zeigen, dass sie sowohl Lust als auch Leistungsfähigkeit hemmen.
Ein Lebensstil, der die Lust erhält
Auch wenn die sexuelle Funktion durch das Älterwerden beeinflusst wird, lässt sie sich durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen.
– Verzichten Sie auf Drogen, rauchen Sie nicht, reduzieren Sie den Alkoholkonsum, bleiben Sie körperlich aktiv, behalten Sie Blutdruck und Blutzucker im Blick und pflegen Sie Ihre Beziehungen, rät Stefan Arver.
Stefan Arver ist Professor und Forscher im Bereich der Psychologie und insbesondere bekannt für seine Arbeit zu Themen wie mentale Gesundheit und Neurowissenschaften. Er war außerdem an Forschungsarbeiten zu Stress und dessen Auswirkungen auf das Gehirn sowie auf die körperlichen Funktionen beteiligt. Arver war am Karolinska-Institut tätig, einer der weltweit führenden medizinischen Universitäten, wo er sowohl in der klinischen als auch in der experimentellen Forschung gearbeitet hat. Darüber hinaus war er an Studien zu Geschlechtshormonen und deren Einfluss auf den psychischen Zustand des Menschen beteiligt, zum Beispiel daran, wie Testosteron Verhalten und Gehirnfunktionen beeinflussen kann. Weitere Interessensschwerpunkte seiner Forschung sind die Plastizität des Gehirns sowie psychologische Faktoren, die die Fähigkeit von Individuen zur Bewältigung von Stress beeinflussen.


